Abgebrannte Böller

Böllerverbot in Deutschland?

Deutsch­land dis­ku­tiert über ein strik­te­res Ver­bot von Feu­er­werks­kör­pern, ins­be­son­de­re dem von soge­nann­ten Böl­lern. Wie wirk­sam wäre so etwas, und was bräch­te es? Uwe Gers­ten­berg mit einem Über­blick über die Lage und eine Prü­fung von Maß­nah­men aus der Debat­te.

Silvester 2017 mit Toten und Verletzten

Trotz war­men Regen­wet­ters hiel­ten sich zahl­rei­che Men­schen im Bun­des­ge­biet zur Sil­ves­ter­nacht 2017/18 im Frei­en auf. Eini­ge von ihnen gin­gen mit ihrem Feu­er­werks­ge­rät nicht sach­ge­mäß um oder benutz­ten es in dafür nicht vor­ge­se­he­nen Berei­chen. Unbe­tei­lig­te bekla­gen dabei nicht nur eine hohe und bis in den Mor­gen andau­ern­de Lär­min­ten­si­tät, son­dern auch:
  • das Zün­den von Böl­lern nahe von Pas­san­ten bzw. inner­halb von Per­so­nen­grup­pen,
  • das Ver­schie­ßen von Rake­ten in waa­ge­rech­ter Flug­bahn,
  • die Nut­zung von Feu­er­werk außer­halb der erlaub­ten Orte, Uhr­zei­ten und Tage,
  • eine erhöh­te Fein­staub­be­las­tung,
  • das Hin­ter­las­sen von Feu­er­werks­rück­stän­den (Leit­stab, gan­ze Bat­te­ri­en) auf öffent­li­chem und frem­dem Grund,
  • alko­ho­li­sier­te Per­so­nen, Bedro­hung von Ret­tungs­kräf­ten und ein all­ge­mei­nes Unsi­cher­heits­ge­fühl.
Die Fol­gen von fahr­läs­si­gem  und teil­wei­se mut­wil­li­gem Fehl­um­gang mit Böl­lern & Co. spie­geln sich in schwe­ren Ver­let­zun­gen, Ampu­ta­tio­nen und Todes­fäl­len nie­der. In Bran­den­burg star­ben zwei Män­ner durch einen selbst­ge­bas­tel­ten Spreng­satz, vie­le wei­te­re Fast­un­fäl­le wur­den in ande­ren Gemein­den ver­zeich­net.

Ist die Diskussion um ein Böllerverbot neu?

Vie­ler­orts rin­gen die Ver­fech­ter eines Ver­bots von Feu­er­werk nun um Gehör. Die For­de­run­gen bemes­sen sich dabei unter­schied­lich streng. Die Rede ist von
  • einem ganz­jäh­ri­gen Ver­bot sämt­li­chen Feu­er­ge­werks
  • von aus­schließ­lich staat­li­chem Abbren­nen von Feu­er­werkslun­ten oder auch
  • einer wei­te­ren Ein­schrän­kung ledig­lich der Uhr­zei­ten und Orte, wo geknallt und geb­öl­lert wer­den darf.
Frei­wohl, letz­te­res gibt es schon seit eini­gen Jah­ren. Die Regel, Rake­ten und Böl­ler nur am Sil­ves­ter- und am Neu­jahrs­tag zu nut­zen, haben vie­le Städ­te sogar noch ver­schärft. So darf in zahl­rei­chen Innen­stadt­be­rei­chen Deutsch­lands, Hol­lands und wei­te­rer euro­päi­scher Metro­po­len gar nicht mehr gezün­delt wer­den. Kom­mu­nen wol­len damit die fried­lich fei­ern­den Besu­cher von Dis­kos und Restau­rants vom Zuhau­se­blei­ben abhal­ten und auch ihre mon­dä­nen Alt­städ­te schüt­zen.

Lassen sich Böller vollständig verbieten?

Wie gut das im jewei­li­gen Stadt­ge­biet geklappt hat, kön­nen mit Nach­druck nur die ein­ge­setz­ten Sicher­heits­ver­ant­wort­li­chen beant­wor­ten. Da, wo sich Erfol­ge ver­zeich­nen las­sen, schielt man auch schnell zu Punkt 1: War­um nicht Böl­ler & Co. ganz­jäh­rig und voll­stän­dig, zumin­dest für die pri­va­te Hand ver­bie­ten? Wären dann nicht alle Pro­ble­me gelöst?

Fehlende Qualitätskontrollen

Gesetzt dem Fall, an Tag X ver­kau­fen Händ­ler zum letz­ten Mal ihre Schwär­mer, Heu­ler und Frö­sche. Vie­le Men­schen wür­den sich Vor­rä­te anle­gen, oder auf Schwarz­märk­te zugrei­fen. Das Ver­bot einer Sache lässt die­se für vie­le erst recht attrak­tiv erschei­nen. Danach wür­de sich zudem kei­ne deut­sche Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le mehr um eine Qua­li­täts­kon­trol­le der dann ille­ga­len Spreng­kör­per küm­mern. Risi­ko­ma­te­ria­li­en, die dann noch ver­wen­det wür­den, wären Tür und Tor geöff­net.

Durchsetzung des Verbots

Schon jetzt bin­det der 31. Dezem­ber eines Jah­res ähn­lich vie­le Sicher­heits­kräf­te auf rela­tiv klei­nem Raum. Es ent­ste­hen dadurch hor­ren­de Kos­ten für den Steu­er­zah­ler: Beam­te müs­sen Über­stun­den schie­ben, pri­va­te Sicher­heits­diens­te hin­zu­ge­zo­gen wer­den und mehr. Und das allein nur, um die Innen­städ­te sichern zu kön­nen. Die Durch­set­zung eines flä­chen­de­cken­den Ver­bots wür­de Auf­wand und Nut­zen für vie­le Dienst­stel­len in kei­nem ver­nünf­ti­gen oder auch nur mach­ba­ren Rah­men erschei­nen las­sen.

Wirtschaftliche Konsequenzen

Eine wei­te­re Tat­sa­che muss auch bedacht wer­den. Der Gesetz­ge­ber, der eine groß­flä­chi­ge Nut­zung von Feu­er­werk unter­sagt, ris­kiert damit den Weg­fall von Arbeits­plät­zen der pro­du­zie­ren­den Indus­tri­en. Dies könn­te bei vie­len Men­schen für Auf­ruhr sor­gen, der in län­ger­fris­ti­gen Pro­ble­men mün­det. Denk­bar ist auch eine Soli­da­ri­sie­rung der­je­ni­gen, die davon nicht betrof­fen sind, sich das fried­li­che Abbren­nen von bun­ten Rake­ten aber eben­falls nicht ver­bie­ten las­sen wol­len.

Fazit: Ursache und Wirkung eines Böllerverbots

Das Ver­bot einer Tra­di­ti­on, der eine brei­te Mehr­heit der Bevöl­ke­rung fried­lich nach­kommt und eini­ge weni­ge eben nicht, wür­de gro­ße Pro­ble­me in der Umset­zung besche­ren. Kri­ti­ker einer Abschaf­fung von Böl­lern wei­sen auf die Bekämp­fung ledig­lich eines Sym­ptoms hin, anstel­le der Ursa­che. Nie­mand wird schließ­lich dar­an gehin­dert, Rake­ten und Böl­ler sach­ge­mäß in den dafür vor­ge­se­he­nen Orten und Zei­ten zu ver­wen­den, und danach die Rück­stän­de zu besei­ti­gen. Alles, ohne Men­schen zu gefähr­den. Die mut­wil­li­ge Gefähr­dung von Men­schen durch Feu­er­werks­kör­per ist in den meis­ten Fäl­len sozia­len Ursa­chen geschul­det. Dies mani­fes­tiert sich auch ohne die Ver­füg­bar­keit von Böl­lern, und fin­det zwi­schen 2. Janu­ar und 30. Dezem­ber eines Jah­res genau­so statt. Dann nur mit ande­ren gefähr­li­chen Mit­teln. Ein Ver­bot von Böl­lern wür­de das Pro­blem also ledig­lich ver­schie­ben und nicht lösen. An Sil­ves­ter und Neu­jahr fal­len die Aus­wir­kun­gen davon lei­der nur sehr viel deut­li­cher auf.
Avatar

Uwe Gerstenberg

Sicherheitsexperte Uwe Gerstenberg ist Autor zahlreicher Buchbeiträge und Fachartikel. Seine Schwerpunktthemen sind die private und öffentliche Sicherheit in Deutschland.