Nachbarschaftswache oder Bürgerwehr - Schutz in der Nacht

Nachbarschaftswache, Bürgerwehr, Sicherheitspartner – wer beschützt die Nacht?

Wenn der Poli­zei vie­ler­orts die Ein­satz­kräf­te schwin­den, droht ihr das Gewalt­mo­no­pol zu ent­glei­ten — vor allem in Angst­räu­men und in der Dun­kel­heit. Wer schwingt sich jedoch in die­sen Sze­na­ri­en zu den neu­en „Her­ren der Nacht“ auf? Wel­che damit ver­bun­de­nen Gefah­ren erge­ben sich dar­aus? Die­se Fra­ge stel­len sich vie­le Bür­ger in Deutsch­land — nicht nur im länd­li­chen, son­dern zuneh­mend auch im urba­nen Raum. Sicher­heits­ex­per­te Uwe Gers­ten­berg von con­sul­ting plus geht die­sen Sor­gen auf den Grund.

Eigeninitiative von Bürgern gibt es schon lang

In sta­bi­len Staa­ten soll­te es in letz­ter Instanz nur einen geben, der für die Ver­bre­chens­ver­hin­de­rung und –auf­klä­rung zustän­dig ist: die Poli­zei. Ein Blick in Geschich­te und Gegen­wart zeigt, dass Phä­no­me­ne wie Bür­ger­weh­ren oder Nach­bar­schafts­wa­chen nicht erst seit ges­tern exis­tie­ren.

Gene­rell zäh­len Per­so­nen, die das Recht in die eige­ne Hand neh­men, zur Erschei­nung des Vigi­lan­tis­mus. Sie bean­spru­chen eine „bes­se­re Ord­nung“ in ihrem Land und tre­ten jen­seits oder anstel­le der staat­li­chen Sicher­heits­ap­pa­ra­tur auf.

Ihren Anfang in Deutsch­land nah­men die Bewe­gun­gen im 19. Jahr­hun­dert, als ganz nor­ma­le Bür­ger zur Ver­tei­di­gung ihrer Städ­te Waf­fen aus­ge­hän­digt beka­men (die „Bür­ger­wehr“). In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten patrouil­lier­ten Stadt­wa­chen schon wäh­rend der Kolo­ni­al­zeit durch ihre Nach­bar­schaft.

Von Problemen, das Recht in die eigene Hand zu nehmen

Vor­ran­gig aus den USA hört man in ein­zel­nen Abstän­den  von Vor­fäl­len, bei denen Per­so­nen durch nicht-exe­ku­ti­ve Bür­ger­ver­ei­ni­gun­gen zu Scha­den gekom­men. Beim Ver­such, Ver­bre­chen zu ver­ei­teln oder ver­meint­li­che Täter fest­zu­neh­men, ver­lie­ren Akti­vis­ten wie auch Ver­däch­ti­ge sogar ihr Leben.

Dabei ist zunächst zu bemer­ken, dass dort wie übri­gens auch in Deutsch­land jeder­mann das Recht hat, Per­so­nen fest­zu­hal­ten, die einer Straf­tat ver­däch­tig sind oder deren Iden­ti­tät nicht sofort fest­ge­stellt wer­den kann. Danach müs­sen sie aller­dings unver­züg­lich die Poli­zei rufen.

Unge­ach­tet des­sen machen sich vie­le Grup­pie­run­gen die­sen lega­len Umstand zu Nut­ze und zie­hen durch die Nacht. Ihre Ein­schät­zung dazu, wer einer Straf­tat ver­däch­tig ist, ist oft­mals sehr sub­jek­tiv. Auf die­se Wei­se sor­gen sie nur bei einem Teil der Bevöl­ke­rung für ein höhe­res Sicher­heits­ge­fühl, und set­zen wesent­lich mehr Bür­ger in Angst und Schre­cken als es ohne­hin schon sind. Oft­mals über­schrei­ten soge­nann­te Nach­bar­schafts­wa­chen dann ihre Kom­pe­ten­zen.

Wie können Bürger der Polizei sonst helfen?

Die Poli­zei eines Lan­des muss in der Lage sein, die Sicher­heit ihrer Schutz­zo­ne eigen­stän­dig und ohne die Hil­fe pri­va­ter Hand bewerk­stel­li­gen zu kön­nen. Dass sie dabei zuneh­mend Pro­ble­me hat, macht sich nicht nur bei der gleich­zei­ti­gen Aus­rich­tung von Groß­ereig­nis­sen wie Fuß­ball-Der­bys bemerk­bar.

In ein­zel­nen Bun­des­län­dern gibt es also Pro­jek­te, in denen Bür­ger den Poli­zei­en aktiv zuar­bei­ten. Dies geht auch deut­lich über die Mel­dung von Falsch­par­kern hin­aus:

In Bran­den­burg gibt es zum Bei­spiel rund 200 soge­nann­te Sicher­heits­part­ner, die an der pol­ni­schen Gren­ze und im Umland von Ber­lin vor allem nachts, mehr­heit­lich mit dem (eige­nen) Auto, auf­fäl­li­ge Erschei­nun­gen mel­den.

  • Sie sind über das Land ver­si­chert,
  • arbei­ten zu zweit,
  • erhal­ten eine Auf­wands­ent­schä­di­gung,
  • sie dür­fen weder ein­grei­fen noch eine Waf­fe tra­gen,
  • ähn­li­che Diens­te gibt es in Bay­ern und dem Bur­gen­land.

Oft­mals über­schrei­ten sol­che frei­wil­li­gen Hel­fer jedoch ihre Kom­pe­ten­zen. Ein­mal nachts als gefühl­ter Poli­zist unter­wegs, muten sich zahl­rei­che vor allem älte­re Per­so­nen zu viel zu und gefähr­den sich selbst. Bei­spiel­wei­se rufen sie nicht den Not­ruf, wenn sie ein war­ten­des Auto nachts vor einer Fabrik sehen, son­dern stel­len sich mit ihrem Wagen quer und ris­kie­ren Kopf und Kra­gen.

Wer schützt die Nacht in unseren Kommunen?

Für Ver­fech­ter eines star­ken Staa­tes obliegt die Kon­trol­le des öffent­li­chen Rau­mes der Poli­zei oder dem Ord­nungs­dienst. In der Pra­xis füh­len sich jedoch zahl­rei­che Pri­vat­per­so­nen bemü­ßigt und ermu­tigt, ihr Vier­tel und ihre Fami­lie selbst zu schüt­zen. Was kön­nen Kom­mu­nen daher tun, um das Heft des Han­delns in der eige­nen Hand zu behal­ten?

Es ist kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be. Allein des­we­gen nicht, da das Gefühl der „Sicher­heit“ trotz aller Sta­tis­tik über Kri­mi­na­li­täts­auf­kom­men sehr sub­jek­tiv ist. Eben­falls, weil Poli­tik und Sicher­heits­ap­pa­ra­te hier­für eng zusam­men­ar­bei­ten müs­sen, das Sicher­heits­be­dürf­nis all­ge­gen­wär­tig ist, die poli­ti­schen Ver­ant­wort­li­chen jedoch alle 4 bis 7 Jah­re aus­ge­tauscht wer­den.

Es bedarf dem­nach neben lang- und mit­tel­fris­ti­ger Kon­zep­te zum „Schutz der Nacht“ auch Ad-hoc-Maß­nah­men, die auf aktu­el­le Bedro­hun­gen ant­wor­ten kön­nen. Ent­ste­hen zum Bei­spiel im Bereich auf­ge­ge­be­ner oder ver­fal­le­ner Gebäu­de Treff­punk­te von Kri­mi­nel­len, beauf­tra­gen Städ­te über­gangs­wei­se Sicher­heits­diens­te für die Kon­trol­le von Objek­ten und Außen­ge­län­de.

Auch die Video­be­wa­chung von Plät­zen, an denen kei­ne Dau­er­strei­fe prä­sent sein kann, kann ein Bau­stein inner­halb eines grö­ße­ren Sicher­heits­kon­zep­tes sein. Dau­er­haf­te Alter­na­ti­ven, die nicht auf die Poli­zei zurück­grei­fen, kön­nen aus bau­li­chen Maß­nah­men bestehen, die bei­spiels­wei­se Angst­räu­me ein­däm­men und dunk­le Ecken erhel­len.

Planung vor Veränderungen innerhalb der Stadt

Eine voll­um­fäng­li­che und durch­dach­te Kon­zep­tio­nie­rung setzt idea­ler­wei­se natür­lich frü­her an. Das betrifft den Zeit­kor­ri­dor vor Grün­dung neu­er Stadt­vier­tel oder grö­ße­rer Gebäu­de­ein­hei­ten, aber auch die Vor­be­rei­tungs­zeit vor Rück­bau und Abriss.

Städ­te sind leben­dig, ihre Bewoh­ner hete­ro­gen in Ver­hal­tens­wei­sen und Bio­gra­fien. Die Reak­tio­nen auf Ver­än­de­run­gen inner­halb der Stadt ähneln sich aller­dings. Bera­ter wie con­sul­ting plus haben Erfah­rung dar­in, wie man zum Bei­spiel Bahn­hofs­plät­ze rich­tig umge­stal­tet, Sta­di­en sichert oder Ein­kaufs­mei­len schützt. In Deutsch­land ver­trau­en zahl­rei­che Groß­städ­te auf die­se Exper­ti­se. Spre­chen Sie uns ger­ne dazu an.

Uwe Gerstenberg

Uwe Gerstenberg

Sicherheitsexperte Uwe Gerstenberg ist Autor zahlreicher Buchbeiträge und Fachartikel. Seine Schwerpunktthemen sind die private und öffentliche Sicherheit in Deutschland.